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afé - eine Kurzgeschichte in Text und Bildern

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erzählt von Grit Gitschel


#1

So ziemlich am Anfang der ganzen Geschichte steht der Setzling. Also die kleinen Kaffeepflanzen werden gekauft oder selbst gezogen. Wenn sie ein Jahr alt sind, werden sie an ihren endgültigen Standort gepflanzt. Dann dauert es noch 3-4 Jahre bis die Kaffeepflanze das erste mal Früchte trägt..

#2

..die so genannten Kaffeekirschen. Während die Setzlinge im Freiland oder auf überdachten Feldern langsam heranwachsen, stehen die Kaffeesträucher im Halbschatten der tropischen Wälder. Im allgemeinen gilt die Regel, je höher das Anbaugebiet, desto besser die Qualität des Kaffees.

#3

Die Kaffeekirsche ist eine Frucht, und die Kaffeebohne ihr Kern. Sie werden geerntet, wenn sie ihre rotbraune Farbe bekommen haben, die in einem wunderschönen Kontrast zu den dunkelgrünen Blättern des Kaffeestrauches stehen. Da die Kaffeekirschen innerhalb von 2-6 Wochen reifen und die überreifen Früchte eintrocknen und dann abfallen..

#4

..muß an jedem Strauch mehrmals gepflückt werden. Das ist Arbeit für viele fleißige Hände. In der Erntezeit, von Mitte November bis Mitte Januar, sieht man ganze Familien in aller Frühe zu den nächsten Kaffeeplantagen pilgern. Jeder hat seinen Korb dabei, der bei einem durchschnittlichen Arbeitstag etwa 12 mal gefüllt wird.

#5

Der Arbeitslohn richtet sich nach dem sich täglich ändernden Kaffeepreis, nachdem auch die Händler ihre Einkaufspreise festlegen. Im Dezember 2000 war der Weltmarktpreis so gering, dass viele Plantagenbesitzer nicht mal die Mindestlöhne für die Landarbeiter zahlen konnten, obwohl Nicaragua einen Kaffee von höchster Qualität produziert.

#6

Während die Kinder die unteren Teile der Kaffeesträucher abernten, pflücken die Großen oben an den bis zu 3 m hohen Sträuchern, die zum Pflücken kräftig nach unten gebogen werden müssen, um alle Kaffeekirschen zu erwischen. Manchmal stehen die Sträucher an so steilen Hängen, dass man sich mit einem Seil an einem nahe gelegenen..

#7

..Baum sichern muss, um auf dem oft sehr feuchten und glitschigen Boden nicht auszurutschen. Die drei Mahlzeiten der Pflücker bestehen aus einer Tasse Kaffee, der tortilla*, roten Bohnen und Reis. Sie werden vom Besitzer der finca* ausgegeben. Die Ernte wird zentral gesammelt und gleich an Ort und Stelle geschält und gewaschen.

#8

Die Schälmaschine besteht im ganzen aus vier Teilen: einem Trichter, einer "Mangel" oder Trommel, einem Auffangbecken und einem Abfallbecken.
Das ganze funktioniert so: In den Trichter werden die Kaffeekirschen geschüttet und unter ständiger Zugabe von Wasser werden die Kaffeekirschen geschält.

#9

Die Trommel oder Mangel, mit einem pickeligen Kupferblech verkleidet, zerdrückt die Kirsche und mit dem Wasser als "Trennmittel", kommen links die Schalen und rechts die geschälten Kaffeebohnen heraus. Die Trommel wird per Kurbel und Handarbeit bedient, denn Elektrizität ist auf vielen fincas* Mangelware.

#10

Die Bohnen werden gleich in dem Auffangtrog gewaschen, das Wasser dann durch einen Schieber abgelassen und die Kaffeebohnen anschließend zum Trocknen und Verlesen auf großen Sieben ausgebreitet. Beim Verlesen werden die schlecht geschälten Kaffeebohnen aussortiert, jedoch nicht weggeworfen, sondern später für den eigenen Bedarf genutzt.

#11

Die ausgelesenen und mehr oder weniger getrockneten Kaffeebohnen werden von den Bauern in Säcken an den Händler im nächsten Ort verkauft. Dabei wird der Kaffee nach seinem Trocknungsgrad und seiner Qualität vom Händler expertensicher beurteilt und der entsprechende Preis bezahlt. Da sich der Kaffeepreis täglich ändert, wird er in den Nachrichten landesweit bekannt gegeben. Der Händler kalkuliert dann seine Kosten und legt so den Einkaufspreis des Tages für Kaffee unterschiedlichster Güte fest.

#12

Dadurch differiert der Einkaufspreis je nach Händler und Standort. Durch die Konkurrenz der Händler, wird der Einkauf meist noch am gleichen Tag, an eine Firma in der nächsten Stadt verkauft. Denn um neuen Kaffee von den Bauern zu kaufen, bedarf es auch des entsprechenden eigenen Kapitals. Hat der Händler keinen Peso*, kann er von den Bauern nicht kaufen. Kann er nicht kaufen, kommen immer weniger Bauern um ihren Kaffee bei ihm zu verkaufen..

#13

Bevor aber der Kaffee auf LKW's oder Busse verladen wird um seine Reise in die nächste Stadt anzutreten, werden alle Säcke gewogen und mit je 120 libras* gefüllt. Die gesamte Menge an Kaffee wird ausgerechnet, und ein Lieferschein für den Kaffeekäufer in der Stadt ausgestellt.

#14

Am nächsten Morgen also wird der Kaffee auf den ersten Bus in Richtung Stadt verladen und anschließend dort verkauft. Die ayudantes* des Busfahrers bringen auf ihrem Rückweg die Quittungen und die leeren Säcke zum Händler zurück, und ein neuer Tag für den Kaffee beginnt.

#15 Sicherlich 

fragt Ihr Euch jetzt: Das kann doch nicht alles gewesen sein?! Im Grunde genommen ist es das auch nicht, aber bis zu dem Kaffee auf Eurem Frühstückstisch übernehmen meist andere das Geschäft. Der weltgrößte Kaffee-Exporteur ist Deutschland! In Nicaragua und allen anderen Kaffee produzierenden Ländern wird meist nur der Rohkaffee verkauft, aber nicht weiterverarbeitet. Das eigentliche Geschäft mit dem Kaffee machen dann die so genannten zivilisierten Länder. Sie rösten, mischen, mahlen und verpacken den Kaffee schön und bieten ihn zu einem Preis an, der mich immer wieder zu der Erkenntnis kommen lässt, dass sich ehrliche Arbeit nicht lohnt..

wer aber 

dennoch wissen will, wie es mit dem Kaffee weitergeht, dem sei noch folgendes erzählt: Der Kaffee wird auf riesigen Freiflächen getrocknet, bis er zur Weiterverarbeitung geeignet ist. Er besitzt immer noch eine feine zarte silberne Haut, die in einem weiteren Schälvorgang entfernt wird und anschließend wird er je nach Geschmack und Qualitätsgrad geröstet und gemahlen. Übrigens muß an dieser Stelle aber auch gesagt werden, dass sich seit einiger Zeit ein paar kleine Unternehmen in Nicaragua mit dem Rösten und Verkauf des fertigen Produkts befassen.

Der normale Verbraucher auf dem Land, röstet die minderwertigen Kaffeebohnen nach alter Tradition auf dem comal*, zerreibt sie dann und in kochendem Wasser wird das Kaffeepulver aufgekocht. Der Kaffee setzt sich und das schwarze Gesöff wird mit viel Zucker möglichst heiß getrunken.

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15. Oktober 2001

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